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MAGDEBURG

Zu Besuch in einer Stadt, die alles hadt! Nur: Menschen sind Mangelware. Ansonsten: breite Avenuen, eine architektonische Symbiose westdeutscher Kaufhausbauweise und sp?tstalinistischer Kraftmeierei. Das ?rtliche Karstadt-Kaufhaus war in DDR-Zeiten das gro?e Konsumhaus; es hat seine mongolisch-sozialistische Fassade behalten, des Nachts beleuchtet, so dass man an einen Dogen-Palast denken kann; auch an eine maurische Festung mit Zinnen. Aber das Geld wird knapp, der Strom reicht nur noch f?r Beleuchtung der zum Zentrum weisenden Fassade. Potemkin, wohin das Auge schaut.

Alles wie aus dem Ei gepellt. Bordsteinkanten und Verbundsteinpflastersteine in regelm??igen Abst?nden verlegt; ausgiebige Stadtm?blierung: Haltestellen f?r Stra?enbahnen, B?nke, Einzelsitze aus hochpoliertem VA-Stahl, teuerste Ausf?hrung. Immer wieder sozialdemokratische Fu?g?ngerzonenkunst, meist als Brunnenform pr?sent. Kleine B?rgersleutfig?rchen krabbeln am Brunnenrand empor - Ziel: die sprudelnede Quelle. So haben es auch die F?rdergeldj?ger dieser Stadt getan, um die Mittel f?r solcherlei Redundanzen zu sch?pfen.

Hier sollte die alte Bundesrepublik wieder erstehen, doch sie war zum Zeitpunkt der Vollendung der Kopie bereits ad acta. Das Ergebnis: eine Karikatur, ein b?ser Clown mit Rei?z?hnen. Man darf sich der Stimmung dieser Stadt nicht hingeben, denn sie hat keine. Auch darin liegt eine Gefahr f?r das menschliche Gem?t.
1.8.05 13:18


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BRANDENBURG / HAVEL

Eine Stadt, wie sie sonst keiner hadt!
Brutale Kopfsteinpflastereinfallstra?en. Man sp?rt geradezu die proletarischen Massen, die vierzig Jahre lang, kaserniert in stinkende Lkw's, zur Gemeinschaftsarbeit hier entlang gekarrt wurden. Erster Eindruck: Nichts und Niemand. Samstagnachmittag. Der Stadtkern unterbev?lkert, Ausnahmen bilden Eiscaf?s und kleinere Restaurationen. Einsame Stra?enbahnelektrifizierungskabel als sch?tzende H?nde ?ber verlassenen Stra?en. Auf dem Marktplatz wird eine etwa zweimeterf?nfzig hohe Digitaluhr feierlich eingeweiht. ?rtliche Honoratioren und beamtischer Hofstaat bev?lkern den Platz, der wie eine 3-D-Animation aussieht. Eine etwa zwanzigj?hrige Frau steht f?r kurze Zeit im Mittelpunkt des Interesses. Sie tr?gt ein stahlblaues Ballkleid, das aber wie eine schlechte Kost?mierung wirkt. Dazu f?llt ihr eine Sch?rpe von links nach rechts, darauf ist zu lesen: "Miss Sachsen-Anhalt 2005". Etliche haben sich neben ihr ablichten lassen, die Lokalpresse ist anwesend. Ein Herr mit neonbunter Krawatte steht inmitten einer Schar von Freunden (oder Untergebenen?). Er k?nnte auch der ?rtliche Kreative sein, Betreiber einer Werbeagentur. Ansonsten viel Lokalprominenz, gekleidet in der Mode Berliner Vorstadtfriseure: Schwarz mit vielen Rei?verschl?ssen.

Wir stehen unter dem Dach eines Bier-Mobils der Marke "Wernesgr?ner" mit ausklappbarer Theke. Ich bestelle drei Bier. Wir sind eingeladen, es ist kostenlos, da eine Digitaluhr eingeweiht wurde. Bier auf Kosten der Stadt Brandenburg/Havel. Ein seltenes Privilieg. Mich wundert nur, dass sich so wenige B?ger der Stadt selbst eingefunden haben, um ebenfalls in den Genuss dieser Offerte zu kommen. Aber hier ist die Trennung von Volk und Partei sehr gr?ndlich vollzogen, zum zweiten Male, wie zu bef?rchten steht. Technokraten mit Parteibuch feiern unter sich die Einweihung einer Uhr, von der in Zukunft alle die gleiche Zeit ablesen sollen. Wer ber?cksichtigt die verschiedenen Zeitzonen in unserem Land? Eine Uhrzeit reicht nicht mehr aus in Deutschland; vielleicht diese noch: f?nf nach Zw?lf.
1.8.05 13:34


MERKEL, MERKEL & MERKEL

Heute morgen, auf dem Weg ins B?ro, sehe ich drei jungen Menschen beim Aufstellen eines gro?en Wahlkampfplakats zu. Es ist Frau Merkel, die darauf, orange gewandet, in den laufenden Verkehr blickt. Dann folgt eine kleineres Plakat von der SPD. Darauf die Wahlkreiskandidatin f?r Charlottenburg; auch sie hei?t Merkel. Wenn mir jetzt noch ein Herr Merkel begegnet, k?me es einer Offenbarung gleich.

1.8.05 13:48


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