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TROUVAILLE

Ein interessanter Gedanke, den ich gerade las:

"Wir sagen aus Angst die Wahrheit."
1.5.06 12:14


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AUS DEM >SPECTATOR<: DIE CHARAKTERSTÄRKE, EIN LÜGNER ZU SEIN

Die wunderbare Geschichte eines ganz normalen Hochstaplers...


The strength of character to be a liar
Jemima Lewis



It’s wrong, I know, but there’s something thrilling about a really humungous lie. Consider, for example, the sheer brass neck of Alan McIlwraith — or Captain Sir Alan McIlwraith KBE, DSO, MC, (dies sind hohe britische Verdienstorden, Anm. v. octavian) as he prefers to be known. This mysterious young war hero was pictured recently in the celebrity magazine No. 1 sipping champagne at a charity function. He was dressed in full military regalia, his breast clattering with medals, accompanied by a woman described as his wife, ‘Lady Shona’.

Sir Alan’s decorations were, he claimed, won on the battlefields of Afghanistan, Sierra Leone, Northern Ireland and Kosovo. His acts of derring-do included rescuing a young woman from an angry mob with nothing but his bare fists. He had served as an adviser to General Wesley Clark, formerly Nato’s Supreme Allied Commander of Europe. His entry in Wikipedia — the online encyclopaedia to which anyone can contribute — was breathless in its praise. ‘Capt McIlwraith is known throughout the military world as a man that can get things done and is thought of as such a hero that the UN and Nato can look to in times of trouble,’ it swooned.



In case suspicious minds should wonder why this mighty warrior, this latter-day Hector, was not better known to the public, Wikipedia provided an explanatory quote, apparently from General Sir Mike Jackson, head of the army: ‘Very few photographs of Capt McIlwraith are in circulation as he is camera shy but a splendid soldier.’

It turns out, however, that there is a simpler explanation. Alan McIlwraith is not a hero, or even a soldier, but a call-centre worker from Glasgow. He was rumbled when his colleagues at Dell — where he earns £16,000 a year answering phones to firms who need their computers fixed — spotted his picture in No. 1 magazine. Evidently, they had long been unconvinced by his military tales, even though he wore army boots to the office and had a nameplate on his desk reading Sir Alan McIlwraith. ‘At first we thought it was a bit funny,’ said a co-worker, ‘because he doesn’t look like he could fight his way out of a wet paper bag. But he’s gone too far. He’s an insult to anyone who has ever served in the armed forces.’

I’m not sure that’s true; imitation, they say, is the sincerest form of flattery. And although what Mr McIlwraith did was bad, and possibly mad — such giant deceptions often being indicative of an unbalanced mind — it was, in its own way, gloriously brave.
1.5.06 12:27


NAZIS SIND SCHWULER ALS MAN DENKT UND ANTIFASCHISTENFASCHISTEN SIND HETERO-MONSTER

Anknüpfend an meinen Beitrag zuvor ("Die Antifaschisten-Faschisten") lohnt sich doch noch ein kleiner Ausflug in die Psyche der Politischen Neurosen. Schließlich feiern wir (Sie auch?) den einhundertfünfzigsten Geburtstag von Sigmund Freud (Fraud, wie eine englische Zeitung heute schrieb...).

Freuds großs Thema: Sex. Als Berliner kommt man ja früh mit den diversen Spielarten der Noch-nicht-fast-schon-oder-dann-doch-erfolgten-Begattungstechnik jedweder Couleur und Heftigekit früh in Berührung. Das liegt im Wesen dieser Stadt, die in der Vergangenheit ihre totalitären Neigungen nie besonders sorgfältig verbarg. Sei´s drum. Natürlich traf ich im Laufe meines an Lebensjahren mittelgewichtigen Lebens auch auf den einen oder anderen Neu-Nazi, auf den einen oder anderen Antifaschistenfaschisten, das bleibt nicht aus, wenn man seine Jugend statt im beschützten Dorf der Kohlära in Berlin-Kreuzberg verbringt - und das freiwillig und ohne ideologisch angemachten Dekorationssalat. Ich kannte Kreuzberg schon, als Claudia Roth noch in Kirmeszelten Konzerte managte und sich in Mutlangen in Pfützen setzte. Ich kannte es auch schon, als sich die NPD-Flegel von heute in ihrem FDJ-Hemdchen auf den Armen ihrer Mutter den Weg zu kubanischen Import-Bananen bahnten. Ich lebte im tiefen Kreuzberg, das man damals einfach nur Sechsunddreißig nannte.

Ich schweife ab. Meine ersten Erfahrungen mit Mitgliedern beider Gruppen waren sexueller Natur und dies aus nächster Anschauung. Ein Freund von mir verknallte sich in einen Neonazi und der sich in ihn. Ich war sprachlos, nicht da mein bester Freund mit Männern schlief (eine Angewohnheit, die in Berlin sehr verbreitet ist), vielmehr konnte ich mich nicht beruhigen, ihn an der Seite eines schwulen Nazis zu betrachten - so kommen kleine Welten zum Einsturz. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles und ich muss zugeben, dass es weitaus wichtigeres gibt im Leben als sich mit den sexuellen Präferenzen angehender Nationalsozialisten zu befassen. Doch die Beziehung der beiden hielt lange, sehr lange. Zwischenzeitlich lernte ich über Bekannte weitere schwule Neu-Nazis kennen und ich weiß, dass diese Strömung bis heute kein reines Phänomen in diesen Gruppen ist. Ich pflegte und pflege bis heute keinen persönlichen Umgang nit ihnen - auch keinen intellektuellen, soweit das überhaupt möglich ist. Aber erstaunlich ist es doch.

Auf der anderen Seite, sprichwörtlich, verliebte sich eine Freundin in einen "Antifa"-Aktivisten aus Kreuzberg. Hier scheint das heterosexuelle Momentum sehr unzweideutig verankert zu sein - unzweideutiger jedenfalls als bei den anderen. Und ich mache keinen hehl daraus, dass mich dieser Herr von Anfang an abstieß, ich mochte ihn nicht. Er war von einer bemerkenswert geistigen Beschränktheit, auch sprang er mit meiner Freundin in einer dümmlichen Macho-Manier um, sodass ich mehr als einmal vom Tisch aufsprang und einfach ging. Seine Manieren, seine Borniertheit war mir zuwider. Mit beiden, dem Neu-Nazi und dem Antifa-menschen, vermied ich politische Diskussionen jeder Art; es war mir wenig daran gelegen mich mit Menschen auseinanderzusetzen, von denen man von vorn herein annehmen konnte, dass sie zu einem Diskurs schlicht unfähig waren. Offenbar lagen ihre Qualitäten aus der Sicht meines Freundes und meiner Freundin auf anderen Gebieten und das scheint auch Gewicht zu haben.

Das Männerbündlerische bei den Neu-Nazis war mir schon immer nicht geheuer. Ich habe nichts gegen Männerbünde, ich gehöre keinem an, aber wenn ich heute junge Nazis durch die Gegend spazieren sehe, muss ich unwillkürlich grinsen. Dasselbe bei den Antifaschistenfaschisten. Sie bleiben sich treu. Hoffnungslos heterosexuell, teilweise frauenverachtend, unfähig zu Beziehungen. Letzteres gilt für beide wiederum.

Ich sehe sie einmal mit Freudschen Augen: Männerbünde, die sich permanent einer wie immer gearteten sozialen Verflechtung erwehren. Sie verlieren sich in archaischen "Aktionen", die wie Beschwörungsfeiern der Zusammengehörigkeit anmuten. Und natürlich: gemeinsam Menschen "aufmischen", Läden in Brand setzen, im Rudel zerstören und Terror verbreiten - auch das eint. Diese merkwürdigen Rituale sind männlichen Geschlechts und die Frauen (und Männer), die sich von diesen Männerbünden angezogen fühlen, wollen teilhaben an diesem Orgasmus. In ihren Augen äußert sich hier zunächst einmal Stärke - Männlichkeit.

Da das männliche Leben in dieser Hinsicht (das gemeinsam begangene Abenteuer) recht ereignislos geworden ist, ragt es aus dem Brei der organisierten Langeweile besonders reizvoll heraus. Das Langweilerleben eines Studenten wird eher vom Antifa-Block angezogen, da er sich pseudo-intellektuell zu verkleiden versteht und die Walpurgisnächte der Neu-Nazis fasziniert eher die aus der Bahn geratene Hexen, die sich hier ihren sexuellen Zaubertrank abholen.

Das Faszinosum gewalttätiger und gewaltbereiter Männerbünde besteht fort, auch und gerade in unserer bis zum Verdampfen der eigenen Existenz durchindividualisierten Welt. Ein "Bund" faszniert, regt zu Phantasien an, erregt und führt schließlich auch zur sexuellen Fata Morgana. Tage wie der erste Mai sind organiserte Massenorgasmen, Gruppenonanie und ihre Teilnehmer, ob links oder rechts (wobei diese Verortung nur Makulatur ist), suchen sexuelle Erlösung auf billigstem Niveau. Der Besuch im Pornokino würde den meisten von ihnen einfach nur guttun.
1.5.06 15:39


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