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ES GIBT KEIN VERKAUFS-NIVEAU OHNE LEBENSERFAHRUNG

Wir leben im Zeitalter der verstolperten Biografien. Ein Irrweg offenbart sich: die Aussperrung von Menschen über Vierzig vom deutschen Arbeitsmarkt. Hier öffnet sich ein Feld der Leere; wir haben es geschafft, dem Senioritätsprinzip eine verhängnisvolle Prinzipienlosigkeit entgegenzusetzen. Viele junge Unternehmen sind vor allem eins: jung. Bei den Erfahrungswerten sehen sie allerdings alt aus. Die "Alten" fehlen, und es wird immer deutlicher, dass ohne "senior knowledge" die Verbindungsbrücke zum Unternehmenserfolg fehlt. Im Handel zeigt sich das am deutlichsten. Hier springen Fünfundzwanzigjährige durch die Warenlandschaften und versuchen, ein gutbürgerliches Publikum beim Kauf einer Ledercouch zu beraten. Die kostet die Kleinigkeit von viertausendachthundert Euro: makellose Qualität, Manufakturprodukt, ausgesuchtes Leder, unerreichte Verarbeitungsvita, spezielle Färbung der Lederhäute, von Hand gefertigte Federung und, und, und. Das Mädel, dass es gut meint, hat zu Hause eine Plastikcouch. Die hat sie auf dem Flohmarkt erworben, denn die Siebziger sind jetzt angesagt bei den Twentysomethings. Klassische Situation. Das potenzielle Käuferpaar fragt drei Fragen. Bei der ersten eilt die Mittzwanzigerin zum Prospektständer. Die beiden anderen Fragen erblättert sie sich aus genau diesem Prospekt. Die Interessenten schauen sich verlegen an. Danke, wir wussten auch, wo der Prospektständer steht. Vierte Frage, das Material der Federung betreffend. Sendepause. Außer Adjektiven wie "sehr schönes Leder", "tolle Federung", oder "Sie haben zehn Jahre Garantie" kommt nicht mehr viel. Das Garantiezertifikat baumelt vorne links herunter, auf drei Meter Distanz lesbar. Auch die Gedanken der jungen Verkäuferin sind jetzt lesbar: Oh, Gott, lass sie bitte, bitte weitergehen!

Das Paar hat Mitleid und geht weiter - man ist ja kein Unmensch. Wieder bleibt ein Produkt der gehobenen Kategorie bei einem Einzelhändler in Deutschland unverkauft. Es steht dort, wartet. Aber nicht nur auf Kundschaft, die wäre ja zur Not noch da. Die Couch wartet auf ihren Interpreten, einen Verkäufertypus, der weiß, was das für eine Couch ist, der ihre Vorzüge kennt, der sie an die Frau oder den Mann bringen kann - guten Gewissens.
3.6.06 13:27


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DIE FALLE AFGHANISTAN

Dass sich in diesem Land eine Menge tut, von dem wir hier nichts erfahren, ist jedem selbständig denkenden Mesnchen klar. Wir müssen nur an den Irak denken, wo amerikanische Vollidioten durchdrehen und selbst nach drei Jahren Besatzung noch nicht begriffen haben, wie man als Befreier auftritt. Einundzwanzigjährige Video-Game-Spieler aus den Unterschichten des Südens und Hinterwäldler aus dem Mittelwetsen werden dort an die Front expediert, und tun im Zweifelsfalle das, was ihnen die Videospielkonsole "back home" im Ernstfall geraten hat: draufhalten und abdrücken. Ich kann meine persönliche Scham gar nicht in Worte fassen, um dieser Schmach, die sie der westlichen Zivilisation dort bereiten, wirklichen Ausdruck zu verleihen.

In Afghanistan stehen der deutschen Expeditionsarmee, denn nichts anderes ist sie, nun ähnliche Begegnungen bevor. Ihre Verlagerung nach Norden schützt sie vor nichts, im Gegenteil. Im Süden des Landes wird bereits wieder regulär, das bedeutet: täglich, gekämpft. Die Amerikaner erwehren sich dort eines ungeheuren Wiedererstarkens der Taliban. Die Nachricht, dass dort "frische Truppen" zum Einsatz kommen, lässt äußerst hellhörig werden. Was wir hier zwischen den Zeilen lesen, ist nichts anderes, als dass dieses Land seit der Befreiung von den Steinzeitmenschen nie wirklich von letzteren befreit wurde. Die Bilder des Bürgermeisters von Kabul, Hamid Karzai, können keine Sekunde darüber hinwegtäuschen, dass dieser als Präsident herumgereichte Mann außerhalb der Stadtgrenzen der Hauptstadt keinen Pfifferling mehr wert ist. So darf man das getrost sehen. Mit dem deutschen "Engagement" in diesem Land ist nichts weniger beschritten worden, als eine deutsche Expeditionskorps-Politik, die einst von Peter Struck, dem ehemaligen Verteidigungsminister der rotgrünen Regierung, mit den Worten inszeniert wurde: "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt". Diese unsterblichen Worte werden noch an unerwünschter Leuchtkraft gewinnen, da bin ich mir sicher. Mit dem Wiedererstarken der Taliban im Süden, der amerikanischen Überdehnung auf militärischem und ökonomischem Gebiet, ist eine Zeitenwende eingetreten. Es geht auch für Deutschland nicht mehr um eine "Friedensmission". Es geht um Krieg, den man gewinnt, oder verliert. Sind die deutschen Soldaten darauf vorbereitet? Auch wenn man diese Frage bejahen könnte (!), kommt die Anschlussfrage: was tun wir dort eigentlich?
4.6.06 22:56


DEUTSCHLANDS KOSTSPIELIGSTE SERIENTÄTER: DIE ARBEITSFREIEN FEIERTAGE

Es ist schon lange nicht mehr einzusehen: die Masse der Krichenaustrittsspießer machen es sich weiterhin an arbeitsfreien kirchlichen Feiertagen im Garten beim Grillen bequem. Das sollte abgestellt werden. Wer keine Kirchensteuer zahlt, muss arbeiten gehen, das erscheint mir völlig normal. Als Kinderlosem wird mir auch kein Kindergeld gezahlt, auch normal. Davon abgesehen kann diese unaufhörliche Kette arbeitsfreier Tage zwischen Ostern und Fronleichnam nicht mehr wahr sein. Hat sich einmal jemand die Mühe gemacht, diese Situation im Kalender zu rekonstruieren?

Ich aber: der letzte reguläre Arbeitstag vor Ostern war Gründonnerstag, der 13. April 2006. es folgten als arbeitsfreie Werktage:

Karfreitag, 14. April 2006
Ostermontag, 17. April 2006
Montag, 1. Mai 2006
Donnerstag, 25. Mai 2006 (Christi Himmelfahrt)
Freitag, 26. Mai 2006 (sog. "Brückentag")
Pfingstmontag, 5. Juni 2006
Donnerstag, 15. Juni 2006 (Fronleichnam)
Freitag, 16. Juni 2006 (sog. Brückentag)

Es sind also 8 Wochentage, die entweder völlig arbeitsfrei, oder als sogenannte Brückentage (2) als pro forma Arbeitstage gelten. Sieben Wochentage, das sind mehr als eineinhalb Arbeitswochen - um das einmal in den offiziellen Kategorien auszudrücken.

In diesem Jahr vergingen zwischen Ostern und Fronleichnam exakt zwei Monate, das heißt: 8 Wochen. Gut zweieinhalb Wochen gehen für arbeitsfreie Feiertage weg, bleiben also knappe sechseinhalb Arbeitswochen.

Davon ziehe ich nun die Sonnabende und Sonntage ab - bleiben an vollwertigen Arbeitstagen ganze: 37 Tage!

Von zwei Monaten, (Mai und Juni) umgerechnet 61 Tagen, bleiben 37 Arbeitstage.

Frage: wie soll da wirtschaftlich noch ein Rad rundlaufen? Es rechnet sich nicht, es kann sich gar nicht rechnen. Löhne, Sozialabgaben und Steuern werden für 61 Tage gezahlt, gearbeitet wird nur an 38 Tagen. Diese Rechnung geht nie und nimmer auf.
6.6.06 12:49


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