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WAS IST EIGENTLICH: EINE HISBOLLAH-HOCHBURG?

Liebhaber der Sprache und des Wortes kommen dieser Tage wieder auf ihre Kosten. Allein die sprachgeregelten Substantivdopplungen in den Nachrichtensendungen sind der näheren Betrachtung wert. Die Tagesschau als Worthülsenlieferant Nummer eins spricht seit vier Wochen täglich mehrmals von "Hisbollah-Hochburgen", die von israelischen Streitkräften unter Beschuss genommen würden. Da vermutet man doch gleich die gerechte Sache walten: eine Hochburg wird unter Beschuss genommen, ein Ort also, wo sich eingeschworene Individuen befinden, die sich ihrer gemeinsamen Sache sicher sind, zueinander stehen und entsprechend agieren, gegen einen gemeinsamen Gegner.

Nun gibt es ja auch in Deutschland solche Hochburgen, wir hören davon bei Wahlberichterstattungen. Zum Beispiel die PDS-Hochburg Hellersdorf oder Marzahn. Neben den Wählern dieser Partei gibt es dort aber auch noch FDP- oder CDU-Wähler, das beweisen die Wahlergebnisse. Nähme nun die CDU-Hochburg Berlin-Wilmersdorf die PDS-Hochburg Hellersdorf unter Beschuss, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch Anhänger dieser Partei Schaden an Leib und Seele davon tragen würden, oder nicht?
7.8.06 21:24


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AUGUSTNÄCHTE - ABSCHIED

Abschluss

Am Ende des Abends brachen wir auf und wählten den längeren Heimweg, da der Sommer uns eine jener Nächte schenkte, die wie Champagner in die Venen schießt. Es duftete nach Heu, trockener Erde und einem leichten Moder, der sich talabwärts verstärkt, indes die samtwarme Hülle dieser Sternennacht nicht von der Haut wich. Es stiegen Jugendbilder auf. Die Nacht, als heimlicher Verbündeter der jungen Jahre, streicht noch einmal um den Saum der Zeit und berührt uns tief in den Falten der Seele. In diesen Augenblicken träumen wir bereits, obwohl sich fest ein Fuß noch vor den andern setzt.

Traumwandlerisch und stillen Angedenkens, wenn sich der selbe Körper früher Tage in der Gegenwart verirrt, und sich die Jahre stumm verhüllen. Zeit – Ritt auf der Schimäre. Das alte Land versagt in diesen Augenblicken der Zukunft jeden Zutritt, und was hier aufbäumt, ist die Sehnsucht der Gedanken an eine ferne Dimension, die unserer harrt, wie eine Quelle großer Zuversicht. Es sinken die Partikel des Erlebten wie Blattgoldblätter in einem Kruge klarsten Wassers. Der Grund, der sie erwartet, ist fein gebettet in das Licht des Kommenden, bewacht von Riesenaugen, die das Falsche nur verschmähen und jedem echten Fühlen freien Eingang ebnen. Es ist die Stunde der kleinen Freiheit, die doch viel größer ist, wie alles, was das Leben uns verspricht. Unsagbar wertvoll klingt des Freundes Stimme, die sich vertraut in unser Ohr verirrt. Wir nehmen auf, und sehen klar, dass diese Stunde sich nicht täuschen lässt. Freundschaft, das ist es, was das Leben erst lebendig macht. Der ruhige Gang, ohne ein Wort zu wechseln, und die Gedanken eins im nicht gesagten Wort. Demütiges Verschwören leuchtet uns den Weg, das Wissen, dass nur eines zählt in einer Zeit, die sich verwirrt hat im Gestrüpp der Zwistigkeiten. Habgier weicht, und breite, sonnige Alleen eröffnen uns die Sicht bis weit ins Tal, kurz vor das Ende aller Worte, wo ewiges Schweigen uns befiehlt, die Tore hinter uns für immer zu verschließen. Der Schlüssel steckt bereits, es ist ein einfaches, ihn umzudrehen. Noch liegen tausend Schritte bis zu diesem Schritt. Noch wehen Winde, die uns hier behalten, denn vieles ist noch nicht gesagt, wenn auch schon längst getan. Wir dürfen uns der Zeit nicht überholen. Sie will es hören, wie wir unverzagt den Bogen schließen, den diese Welt umgibt. Auf diesen einen Schlussstein warten wir, und ob er hält, wenn sich die Lasten unseres Lebens auf ihm vereinen, dies bleibt zu warten. Es ist nicht unsre Wahl, und diese Stunde kommt, so sicher, wie die Stunde kam, da wir geboren. Ein jeder Mensch hat seine Zeiger, und sie irren nicht, so viel wir uns auch wenden. Es ist bestimmt, wie wir dem Leben Referenz erweisen, da hilft kein Ausbruch und kein Beben. Es liegen Kälte noch und schwere Hitzetage vor dem Ziel. Das Land verspricht uns nichts. Es stehen stumme Wächter stets an unsren Wegen, und wenn wir Einfalt üben, bleibt die Sicht. Mit jedem Schritt vermag die Angst uns zu vernichten. Doch trotzend soll jetzt unser Streben sein, die letzten Meter nicht mit schlechtem Garne zu verweben, denn dieses Tuch wird uns für ewig sein. Der Nordwind kommt auf leisen Sohlen und fährt in dies Gewand, in einer Stunde, wo wir´s nicht vermuten, und stille sank das Herz, das uns verband. Gezählte Tage sind die schönsten nun, es schweigen die Minuten. Nun herrscht ein Klang, von dem wir wissen, dass er ins Jenseits ruft, und still, und fest, und wahr, und selbst, sind wir gewesen.
Es wankt die Zeit, Altes vergisst, und wischt die frühen Zeichen froher Stunden harsch hinweg. Es bleibt ein bebend Herz gewesen, es steigt der Ansinn, steigt das Nichts. Noch einmal blickt das Wehmutherz zurück. Gebrochen sind die Brücken, Der Fährmann schaut im Krempenhut, und will uns nun entrücken. Fluten statt Zeit. Wellen, so breit. Es kommt ein Neues angespült. Wir schauen auf die Strände fremder Welten, und wissen: alles ist gewesen.
7.8.06 23:10


LICHTSCHUTZFAKTOR 105

Die Demokratie hat auch im Libanon dazu geführt, dass Minderheiten die Mehrheit terrorisieren. Während fanatisierende Rauschebärte ihre Raketen in Richtung Israel abfeuern und sich dabei offensichtlich die Bevölkerung als Schutzschildsklaven hält, bricht der libanesische Premier während der Konferenz der arabischen Außenminister in Tränen aus. Das hat er nun von seiner Demokratie: die Warze auf der Nase ist größer als der Kopf. Welchen Unterschied gibt es zwischen denen, die im Libanon und Israel in die Luftschutzbunker rennen? Es sind die Wähler zweier Staaten, die als einzige im gesamten Nahen Osten ihre Regierungen in freien und demokratischen Wahlen gewählt haben. Schön, und was hat es ihnen gebracht? Die Potentaten der Nachbarländer fahren am Abend ins Restaurant oder an den Strand, unbehelligt von Raketen und Düsenjägern. Ist das gerecht? Die Wahrheit ist: Demokratie ist kein Garant für Gerechtigkeit, sie ist auf anderen Wegen herstellbar. Kompletter Wahnsinn macht sich breit, wenn man bedenkt, dass seit vier Wochen die mehrheitlich demokratischen Staaten darüber beratschlagen, wie der Krieg zwischen diesen beiden Demokratien beendet werden kann. Ergebnislos, bislang. Es wird offenbar: die Trümpfe unserer Zeit halten die Diktaturen in den Händen - Iran und Syrien. Blickt man weiter um sich: Nordkorea und China. Und noch weiter: BP, Eon und Gazprom, die Deutsche Bank oder die New York Stock Exchange.

Man könnte glatt auf die Idee kommen, dass sich Demokratie nicht mehr lohnt, außer für die, die sie nicht praktizieren. Ein Ladenhüter, ja, gefährlicher noch: eine Suizidgefahr. Wenn heutzutage ein Demokrat auf den Tisch haut, fliegen ein paar Krähen aus den Bäumen. Wenn ein Potentat hüstelt, kriegen Demokraten eine böse Grippe. Der Ölpreis steigt, das Gas wird abgedreht und die Steuerzahler der demokratischen Staaten müssen Auslandseinsätze mit einer drei Prozent höheren Mehrwertsteuer blechen. Das wird nicht mehr lange gut gehn, wirklich nicht. Auch für Demokratie muss man sich was kaufen können dürfen, oder etwa nicht? Wer hat denn die Konsumgesellschaft auf die Gleise gehoben? Das waren doch auch die Demokraten, oder etwa nicht?

Iraner sind reiche Leute, sie zeigen es nur nicht so, tragen nicht dick auf. Die Deutschen werden immer ärmer, bauen aber immer größere Eigenheime. Irgend etwas stimmt doch hier nicht. Iraner haben viel Öl, Deutsche gar keins. Dennoch haben alle Autos hierzulande nach jeder IAA mehr PS. Wir werden immer weniger, unsere Autos immer größer. Iraner werden immer mehr, die Anzahl zugelassener Pkw´s dort bleibt konstant. Wie machen diese ausgebufften Leute das bloß?

Zu allem Überfluss müssen wir jetzt noch die angespülten Bootsflüchtlinge am Strand von Gran Canaria eincremen. Schwarzafrikaner mit Sonnenschutzfaktor 105 einzuschmieren heißt ja nun wirklich, Eulen nach Athen tragen. Was für ein historischer Augenblick in der Geschichte Europas! Und es beweist, wie weltoffen und ausländerfreundlich wir sind. Würden uns Iraner eincremen, wenn uns eine Riesenwelle am Kaspischen Meer anspülte? Wer weiß. Otto Schily meinte vor drei Jahren, man müsse die Afrikaflüchtlinge in "Begrüßungszentren" sammeln, bevor man sie wieder nach Hause schickt. Diese Zentren sollten in Lybien, Tunesien oder Marokko eingerichtet werden. Jetzt landen athletische Schwarze mitten in den Sonnenbadenden am spanischen Strand. Eine weiße Jane kümmert sich um sie. Das ist Zukunftsmusik, das hat Sexappeal. Da bekommt der Ausdruck "Strandbekanntschaften" einen ganz neuen Klang. Während an den südeuropäischen Stränden das Flüchtlingsproblem auf typisch Latin-Lover-Manier gelöst wird, gucken wir im Norden wieder mal in die Röhre. Was wird hier angespült, außer ein paar von der Volgelgrippe dahin geraffte Schwäne und Flugenten? Nichts weiter von Belang. Gut, der amerikanische Präsident wurde vor ein paar Wochen im Seebad Heiligendamm angespült, aber das entschädigt für nichts.

Demokraten wollen auch wieder träumen können, wollen auch wieder mal Sex haben. Unser demokratisches Leben ist sexlos geworden, deshalb kraftlos und darum auch so ausgesprochen unüberzeugend für Dritte. Wer keinen Sex mehr hat, ist keine gute Werbung für die Sache selbst, das ist die Wahrheit. Dabei scheint das mit dem Sex der Deutschen, sobald sie im Ausland sind (vornehmlich in diktatorisch regierten Ländern), wunderbar zu funktionieren. Was wieder einmal unter Beweis stellt, dass Diktaturen einfach sexier sind. Ich sage nur: Evita Peron und Antje Vollmer, Golda Meir und Gamal Abdel Nassr. Damit ist doch schon alles gesagt. Oder: John F- Kennedy und Nikita Chrustschow, als homoerotischen Vergleich. Übrigens: seit dem die Amerikaner keinen gutaussehenden Präsidenten mehr wählen, zieht dieses Land ständig in den Krieg. Gutaussehende Menschen scheuen den Krieg auf dem Schlachtfeld - sie schlachten lieber im Bett (siehe auch "Kissenschlacht", "Bettenburg" u. ä.).

Machen wir uns nichts vor: die Zeiten schöner Krieger ist vorbei. Darum sind auch die Kriege heute so hässlich. Agamemmnon vor Troja und der Raketen abschießende Mullah im Südlibanon: ein starker ästhetischer Sturz, bodenlos eigentlich. Donald Rumsfeld in billigen Anzügen beim Truppenbesuch im Irak - Friedrich II. in der schlesischen Etappe. Schon daraus lässt sich die Sinnlosigkeit heutiger Kriege erahnen.
8.8.06 01:19


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