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GEBETSRAUM FÜR MOHAMMEDANER AUF SCHLOSS WINDSOR

Die britische Königin Elisabeth II. hat angeordnet, dass im Buckingham Plast und auf Schloß Windsor jeweils ein Büro geräumt wird, damit ihre muslimischen Angestellten sort einen Gebetsraum einrichten können. Eine muslimische Angestellte sagte gegenüber der Presse, dass es lediglich einer einzigen Anfrage bedurfte, um diesen Wunsch erfüllt zu bekommen.

Elisabeth II. ist Obergaupt der Kirche von England (Anglican Church of England) und trägt auch den Titel "Verteidiger des Glaubens".


Ich bewerte so etwas duchaus positiv. Im Übrigen: viele britische Imame predigen in englischer Sprache, da viele junge Mohammedaner in Großbritannien die englische Sprache als einzige Muttersprache sprechen. Das ist natürlich auch der Tatsache zuzuschreiben, dass man in Britannien Englisch sprechen muss. Nicht etwa auf Anordnung, sondern da man ohne Englischkenntnisse keinen vernünftigen Job auf der Insel bekommt. Eine selbstverständliche und völlig stressfreie Integrationstechnik und von keinem Mensch sinnhaft in Frage gestellt.

Satt den Briten unseren verkorksten Föderalismus aufzuschwatzen, sollten unsere Politiker von dort einmal Rat zum Thema Integration einholen, da hätten sie genug zu tun - und vor allem: etwas sinnvolles.
2.10.06 13:06


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DIE DEUTSCHE EINHEIT, DIE NIE EINE WAR

Hätte am 3. Oktober Neunzehnhundertirgendwann die Teilung Frankreichs oder Großbritanniens, Irlands oder die Spaniens ihr glückliches Ende genommen, könnte man die Markierung im Kalender sehr gut nachvollziehen. Vor allem aber könnte man sich leicht vorstellen, wie sehr Franzosen, Briten, Spanier oder Iren unter der Teilung gelitten haben müssen. Es sind ja, unabhängig von ihrer Größe und Bedeutung, allesamt Nationalstaaten erster Rangordnung, ja hier wurde der Nationalstaat als solcher aus der Taufe gehoben.

Das französische "Grand Nation" zeugt erzern von der zutiefst nationalstaatlichen Überzeugung eines jeden Franzosen, und wenn die britische Königin in ihrer alljährlichen Weihnachtsansprache das Wort "The Nation" ausspricht, muss keiner ihrer "subjects" an irgend etwas anderes denken als an "Britain" und "Britannia". Über zwei Drittel der Briten sehen in der Krone zugleich die Krone ihres nationalen Selbstbewusstseins. Es steht vollkommen außer Zweifel, wie sich Begriff und Bedeutung treffen: deckungsgleich. Im Falle Großbritanniens und Irlands tritt die besondere Geografie noch hinzu: Teilungen einer Insel wurden immer als besonders schmerzlich und letztlich anachronistisch empfunden, gleichgültig, ob sich grade ein protestantischer König mit katholischen Thronanwärtern herum schlug, oder die Schotten ihren Clan-Chefs gegen den König von England folgten. "Britain" heißt die "Einheit".

Das gleiche gilt für "El Escorial", dem von den heutigen Hellbuche-Funier-Feingeistern als düsterer Ort bezeichnete, ehemalige Sitz der Könige von Spanien. Dieses schier unfassbare Bauwerk des späten 16. Jahrhunderts vor den Toren Madrids, ist und bleibt für die spanische Nation der Inbegriff "der Nation". Dieser fast schon mythische Palast, so abgestorben er heute auch erscheinen mag, bleibt eine ständige Erinnerung, dass Spanien über einen zentralen Ort der Einheit verfügt, der über jeden Zweifel erhaben ist. Selbst Franco tatste diesen Ort weder politisch noch geistig in seiner Bedeutung an.

Wir Deutsche haben weder einen solchen Ort noch die passende Geschichte dazu. Deshalb sind wir nie zur Nation gekommen. Als schon kurz nach dem Fall der Berliner Mauer die ersten Stimmen laut wurden, Berlin wieder als Regierungssitz einzurichten, beschlich mich ein eigenartiges Gefühl der Leere. Dass man der Stadt das Hauptstadtkrönchen gleich wieder aufsetzen wollte, galt ja als ausgemacht unter den vielen Hobbyhistorikern und Nostgalgikern der deutschen Medienlandschaften. Aber erst im Juni 1991 schafften es die Regierungssitzbefürworter, die Reise in eine, historisch betrachtet, recht "undeutsche" Vergangenheit anzutreten und Berlin auch als Regierungssitz festzuschreiben. Das vorherrschende Argument zehrte eine Weile von eben diesem historischen Verweis, nämlich dem, dass die Stadt schließlich bis 1945 Hauptstadt UND Regierungssitz gewesen sei. Die historische Wahrheit und somit auch der ein ehrlicher Bezug auf ein deutsches Zentrum hätte die Frage, zumindest historisch betrachtet, ganz anders beantworten müssen. Deutschlands Gravitationzentren lagen am Rhein, in Wien und auch schonmal auf Sizilien.

Ja, bis 1945 war es Berlin Aber seit wann? Die Antwort lautet: seit 1871. Ganze 74 Jahre lang war Berlin Sitz der Reichsregierung des Bismarckreichs - das war's. Diese historisch gesehen atemberaubende Kurzweiligkeit musste herhalten, um dieser Stadt (und keiner anderen) das Fluidum einer nicht (mehr) vorhandenen Regierungssitz-Legitimität zu verleihen.

Dann folgten die eigentlich hahnebüchenen Argumente der Berlin-Befürworter: "Hier wächst zusammen, was zusammen gehört" (ein für diese Zwecke missbrauchtes Brandt-Zitat), "Hier wird die Einheit sichtbar", oder "Das Raumschiff Bonn muss wieder mitten im Volk angesiedelt werden".

Wenn man diesen Schwachsinn heute noch einmal Revue passieren lässt, kommt man rasch auf den Trichter, wie schnell es gelingen kann, einem so unhistorisch denkenden und handelnden Volk wie den Deutschen einen Eierschneider als achtes Weltwunder anzudrehen. Als ob die Stadt und ihre Bewohner ohne Kanzleramt und Parlament unfähig gewesen wären, ihren Alltag zu bewältigen und zueinander zu finden. Dass man ausgerechnet in Deutschland Parlamentarier benötigt, um seinen Alltag zu entdecken, grenzt an kosmischen, und nicht mehr an komischen Zynismus. Seitdem die Parlamentarier in Berlin sitzen und speisen, ist die politische Klasse weiter denn je vom Alltag ihrer Wähler entfernt - das ist inzwischen geistiges Allgemeingut der meisten Deutschen zwischen sechs und sechsundachtzig.

Das Argument, dass es in Berlin bereits einen Parlamentsbau gäbe, gemeint war hier der alte Reichstag von Paul Wallot (1894 eingeweiht) sprach der Neu-, Um- und Ausbauwut der Bonner Republik Hohn, die es in weniger als 40 Jahren gleich zu vier Parlamentsbauten brachte, wobei sich das "Bonner Wasserwerk" als das originellste Parlament der neuzeitlichen Geschichte unseres Landes entpuppt. Es war in diesem zum Plenarsaal umgebauten Wasserk, als die deutschen Volksvertreter die Nachricht vom Fall der Mauer erreichte und sie sich geschlossen erhoben, um die Nationalhymne anzustimmen. Viele der damaligen Sangeskünstler waren zu diesem Zeitpunkt noch in ihrem Leben in Berlin gewesen und wurden nur bei "Main bleibt Mainz, wie es singt und lacht" an das "andere" Deutschland erinnert. Man grüßte dort, sehr angemessen und mit ungewollter Komik, die "Brüder und Schwestern in der DDR" vom Narrenpodium aus.

Zurück zur Einheit, die ausgerechnet wieder in Berlin ihren amtlichen Stempel abholen sollte. Berlin war (und ist) regierungshistorisch betrachtet, das Symbol eines zerbrochenen Nationalstaates, genauer: das Symbol zweier deutscher Nationalstaaten, noch genauer: von drei gescheiterten. In seinen Mauern zerbrach das von Bismarck inszenierte Kaiserreich, die Deutsche Demokratische Republik und zwischendurch noch das "Dritte Reich", das ja alle anderen deutschen Reiche mit links übertreffen wollte. Seltsam abseits stehend sticht da die vierte Nation ins Auge: die der Westdeutschen.

Anhand dieser Fakten, die sich im Zeitraum von gerade mal 120 Jahren anhäuften, ist unschwer zu erkennen, wie es um die Deutsche Einheit steht, stand und: immer stehen wird. Dass die Regierungssitzbefürworter Berlins sich ausgerechnet auf die von Bismarck begründete Legitimation beriefen (ohne es allerdings auszusprechen), zeigt die ungeheuerlichen Reflektionen des deutschen Zerrspiegels in geradezu grotesker Weise. Die ehemalige Hauptstadt eines Reichs, dem 74 Jahre Lebensdauer beschieden waren, sollte nun die überzeugende Rolle des Symbols der Einheit genau dieses zerborstenen und von der Landkarte bis zur Unkenntlichkeit verschluckten Reiches spielen, auch wenn zwischendurch solche Petitessen wie BRD, DDR und Nazi-Reich sich darin abgespielt hatten. So etwas nennt man schlicht: einen geschichtlichen Geburtsfehler, oder auch: postnatale Traumata-Bewältigung.

Doch sollte der Begriff der "Einheit" nicht allein auf die Stadt Berlin begrenzt bleiben. Der "Rest" feiert ja heute auch eine Einheit, von der die allerwenigsten gebildeten Menschen genau sagen können, um welche Einheit es sich dabei eigentlich handelt.

Bis zum Jahr 1806 existierte das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Ein Reich mit fast tausendjähriger Geschichte, das dem Furor Bonapartes zum Opfer fiel - mit einem Federstrich. So, wie es die Kriegsalliierten mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 46 im Jahre 1947 mit dem "Staat Preußen" taten, erklärte Napoleon 1806 das Heilige Römische Reich für "nicht mehr existent". Die tausend Jahre zuvor war "Deutschland" überall dort, wo man Deutsch sprach und deutsche Fürsten herrschten. Ihren Kaiser wählte die Nobilität mit den Stimmen der mächtigen Kurfürsten, man spielte abwechselnd Papst gegen Kaiser, dann wieder den Kaiser gegen den Papst aus, stritt sich dreißig blutige Jahre lang um Religionszugehörigkeiten und sortierte sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu. Deutsche Landkarten entwickleten sich stets wie bunte Ölblasen in jenen Tischlämchen, die man sich heute als hässliche Staubfänger aufs Wohnzimmerregal stellt. Schaltet man diese Lampe an und beobachtet eine Weile, was sich darin ereignet, hat man den ungefähren Überblick über dieses Heilige Römische Reich deutscher Nation. Gleichzeitig ahnt man, wie sehr diesem Volk eine wie immer geartete "Einheit" fremd ist, immer fremd war, im Grunde sogar zuwider und egal.

Ein französischer Adliger des achtzehnten Jahrhunderts, leider ist mir der Name entfallen, nannte Deutschland einmal "das Indien Europas" - eine sowohl treffsichere wie wahre Bemerkung. Stets waren wir in Kasten und Regionen, Sprachen, Dialekte und Akzentuierungen jeder erdenklichen Form aufgeteilt - eben nicht geeint. Die Bemühungen um eine einheitliche Sprach- und Wortschöpfung sind sehr jung; die erst kürzlich über uns herein gebrochene "Rechtschreibereform" demonstriert bis auf den heutigen Tag die beißende Eifersucht der deutschen Intelligenzia auf jedes einzelne Wort, als ginge es darum, Unberührbaren und Nicht-Hindus zu gesatten, sich im Weihwasser des Kölner Doms zu baden. Die Sehnsucht der Deutschen nach Abgrenzung und (Selbst)Zerstückelung scheint grenzenlos zu sein, ein Blick in die Geschichtsbücher lässt kaum andere Interpretationen zu. Die studentischen Hirnfliegereien der 1848-er Bewegung, vorgetragen durch Burschenschaften, unterstüzt vom (dünn gesäten) liberalen Bürgertum, beweisen nicht das Gegenteil, sondern unterstreichen den Wunsch der Deutschen, nicht in einen Topf geworfen zu werden.

Erst setdem der Nationalstaat den Einzelnen nicht mehr mit der Nationalstaatlichkeit belästigte, und das ist die Quintessenz des Erfolgs der alten Bundesrepublik, verzichtet der Deutsche auf exessive Abgrenzungsreflexe, die der Nationalsozialismus sehr gut zu instrumentalisieren wusste, wie übrigens zuvor Bismarck nach der Reichsgründung. Bismarck hat den Nationalstaat beim Deustchen auf der Straße populär gemacht, er war der "Fürstentumstöter", der nationalstaatliche Monarchist. Das Königreich der Welfen liquidierte er, enteignete das Fürstenhaus und richtete mit dem gestohlenen Geld anderer Leute den legendären "Welfenfond" ein, mit dem die "Einheit" kräftig schmnierte. Übrigens eine Masche, die die Bundesregierung mit der Enteignung der ostelbischen Güter wieder zu neuem Leben erweckte. Bismarck bezahlte mit diesem geraubten Vermögen unter anderen "seine" Einheit: er bestach den bayerischen König Ludwig II., der wegen seiner, sagen wir, enthusiastischen Bautätigkeiten, in arge finanzielle Bredouillen gekommen war. Bismarck bestach den bayerischen Monarchen vor der Reichsgründung 1871, da sich Ludwig Deux beharrlich weigerte, sein Königreich im Bismarckreich aufgehen zu sehen. Dieser angebliche Wirrkopf wusste nur zu genau, wohin die Reise mit Bismarck gehen würde, und er sollte recht behalten.

Deutsche Einheiten gehörten stets zu den unsauberen Machenschaften im Lande, sie waren nie vom Volk getragen, schon gar nicht sehnlichst erwartet worden. Die Hunderttausende, die vor siebzehn Jahren in den Straßen Leipzigs "Wir sind das Volk!" skandierten und sich anschließend ihren Einigungsbeitrag an den Sparkassenschaltern in Form eines Begrüßungsgeldes abholen durften, sind das unzweifelhafteste Zeichen dafür, warum die Einheit sich so plötzlich Bahn brach. Hinter der Deutschen Einheit jüngsten Datums steht nicht die herzzerreißende Sehnsucht eines Teils des Volkes, das bis dato die "Zweiheit" als etwas äußerst schmerzvolles empfunden hätte, nein. Hinter der (vorerst) letzten Einheit stand das Geld - das Einigungsmotiv des Bismarckreichs.

Einmal abgesehen von der Tatsache, dass heute viele der damaligen Begrüßungsgeldentgegennehmer diesen Obolus gerne wieder gegen die traditonelle Abgegrenztheit eintauschen würden, hat sich auch sonst die deutsche Einheit à la 3. Oktober als Faktum, nicht als Gaudium etabliert. Manchen gilt sie gar noch immer (oder schon wieder) als Faktotum. Die sandgestrahlten wilhelminischen Fassaden der Berliner Republik, die teils aus Nostalgie, teils aus Pragmatismus erneut eine deutsche "Einheitsregierung" in den Räumen eines untoten Reichs beherbergen, können nicht darüber hinweg täuschen, dass der tiefe Anachronismus, der das deutsche Uhrwerk stets begleitet wie Grünspan das Messing, im Untergrund weiter arbeitet: gegen die Einheit.

Auch wenn heute kein erkennbarer Grund für die Annahme vorliegt, dass die deutsche Einheit ein auf Zeit angelegtes Provisorium ist (und es immer war), darf man sich nicht Ilussion hingeben, dass die Geschichte hier das letzte Wort gesprochen hat. Unsere jüngste Geschichte wimmelt vor Feiertagsdaten, die irgendwie mit dieser Einheit in Verbing stehen: der 18. März 1848, der 12. März 1938 (der "Anschluss" Österreichs an Hitlers "Großdeutschland"), der 17. Juni 1953 (Volksaufstand in der DDR), der halbamtliche Termin der deutschen Einheit: 9. November 1989 (Mauerfall) und schließlich der heutige 3. Oktober, der von Kohl bestimmte Feiertagstermin für die Einigung der beiden Bismarck-Torsen, DDR und BRD, zur Bundesrepublik Deutschland, zur Abwechslung auch hin und wieder mal "Berliner Republik" genannt.

Etymologisch betrachtet wurzelt der Begriff "feiern" auf hoch interessantem Terrain. Das germanische "fey", "fai, "feii" greift hinein. Wir kennen es heute noch von "gefeit" sein, also "gewappnet" sein gegen oder für etwas. Auch die "Fee" als mythisches Wald- und Wiesenwesen, als Überbringerin von phantastischen Heilsbotschaften, spielt eine Rolle.
3.10.06 15:36


DAS AIRBUS-DESASTER IST EIN DEUTSCHES DESASTER

Was sich im Schatten des Brechdurchfalls der deutschen Gesundheitsreform und des Siemens-Desasters mit BenQ bei EADS / Airbus ereignet, stellt diese beiden Matinee-Vorstellungen in den Schatten einer Baumarktportokasse.

Die Debilitätswellen unserer Abgangsgesellschaft haben längt die Spitzen renommierter Unternehmen erreicht. Je monströser und milliardenschwerer sie sind, um so größer weitet sich die Katastrophe aus. Sie ist vergleichbar einem Vulkanschlund, der aus dem Inneren immer neue Feuerschübe erfährt, von denen wir Zuschauer dann die heißen Ascheregen beobachten, wie sie mit diabolischer Macht den Krater verlassen und das Umlamd versengen.

Airbus ist ein Beispiel für das komplette Versagen, für die totale Veraschung nicht nur einer, nicht nur zweier, sondern gleich dutzender Elitemanager, die dort seit einem Jahrzehnt ihr Unwesen treiben. Eingebettet in einen völkerfreundschaftlichen Ringelpietz mit Anfassen, durften dort die Verantwortlichen auf allen Ebenen die deutsch-französische Unternehmenskultur zelebrieren, wobei man vom Juniorpartner, (Grißbritanniens BAE Systems) kein einziges Wort bisher vernahm. Das kann auch nicht weiter verwundern, denn den Montagestandort Großbritannien hatte man im Zusammenhang mit dem Bau des A380 früh genug ausgeschlossen. Das macht ja auch Sinn: dem Land mit den meisten Ingenieuren in der Luft- und Raumfahrt weist man den Katzentisch zu, und hier in Deutschland, wo bereits Headhunter auf Physiklehrer im Ruhestand Jagd machen, wird das Innenleben des Luftriesen zusammengebaut - nur: man wird nicht fertig damit.

Die Franzosen, immer gut, wenn es um die europäische Foto-Pose geht, sind von Beginn an den Krus gefahren: "L'Airbus, c'est moi!" Es bestand im französischen Management nie ein Zweifel daran, dass mit dem Standort Toulouse auch die blauweißrote Trikolore am Super-Jumbo flattern würde - das französische Supremitätsprinzip wird durch feuchtwarme Händedrücke und einen guten Bordeaux-Jahrgang beim üppigen Partner-Diner nicht außer Kraft gesetzt. Im Übrigen vettert es in den französischen Staatsunternehmen traditionell ganz gewaltig. Wo immer La France die Möglichkeit zur Einflussnahme sieht, wird La France sie unmissverständlich wahrnehmen. Die Abgänger der französischen Polytechniques, der Eliteschulen, von der auch fast alle Staatspräsidenten der Neuzeit kamen, sind den deutschen Managern haushoch überlegen. Da schnauft das Gesamtschulabitur und die Semesterkette der Uni Münster schon nach der zweiten Runde.

Doch zurück nach Deutschland. Es gibt sieben Standorte hier, den den A380 mit fertigen, der größte, wie bekannt, in Hamburg. Dort arbeiten 12.000 Menschen für das Projekt, in ganz Deutschland schraubt sich die Zahl auf 22.000. Nun will man hastig sparen (etwas ganz Neues bei Airbus!). Unter dem Fitness-Studionamen "Power 08" sollen bis 2010 ganze 2 Milliarden Euro eingespart werden. "Guten Flug!", möchte man da allen prospectiven Fluggästen schon heute zurufen, sicherer kann man sich bestimmt nicht mehr in 12 Tausend Fuß Höhe bewegen. In einem Flugzeug zu sitzen, dessen Auslieferung wegen schlampiger? zu langsamer? zu undurchdachter? Montage innerhalb eines Jahres gleich dreimal storniert wurde, und bei dem man nun noch 2 Milliarden sparen will, das sollte man doch lieber gleich "Abrahams Loch im Schoß" nennen. Abgesehen von der Tatsache, dass mir allein schon die Vorstellung Brechdurchfall erzeugt, mit 900 Menschen in einem Flugzeug zu sitzen, werde ich sicher nie in die Verlegenheit kommen, es zu tun, aus vorher besagten Gründen. Danke, mir geht's noch gut.

Noch ein wundervolles Zitat des heutigen Tages zum selben Thema reizt einfach zu sehr:

"Die Bundesregierung erwartet vom Management geeignete Maßnahmen, um die Probleme beim industriellen Hochlauf der A380 zu meistern und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern"

Das sagte Michael Glos, unser Bundeswirtschaftsminister. Man fragt sich da natürlich, wie ernst dieses Management Leute nimmt, denen der Bund der Steuerzahler erst vor gut einer Woche einen katastrophalen Sinn fürs Geld bescheinigt hat. Und dann: wie will denn diese Regierung (oder auch jede andere) den "Einstieg" in das Unternehmen EADS politisch rechtfertigen, wenn man doch gerade dabei ist, die letzten übrig gebliebenen Anteile an der Deutschen Telekom zu verkaufen und auch die Bahn-Anteile zur börslichen Disposition stellt? Merkwürdige Dinge tragen sich zu in diesem Land. Aber daran sind wir schon gewöhnt. Konzept? Was ist das? Eine neue Gardinenstange?

Das Management wird sich einen feuchten Kehricht darum kümmern. Sie schalten und walten und leben in ihrer Welt. Es interessiert sie gar nicht, was mit dem Unternehmen geschieht, denn die oberen Etagen haben bereits heute schon für sich, ihre Kinder und Kindes Kinder ausgesorgt. Mich würde auch einmal interessieren, wie es denn mit der vielbeschworenen "Unternehmenskultur" in einem Unternehmen wie Airbus wirklich steht. Denn dass deutsche und französische Unternehmenskulturen bei einem Schluck Wein und einer gemeinsam verspeisten Currywurst mit Pommes Frittes synchronisiert werden können, glaubt ja kein Mensch - richtig: hat auch keiner behauptet. Aber im Gegensatz zur Dilettantenkrise DaimlerChrysler, die offen zugeben mussten, dass eines der Hauptprobleme die Angleichung und Verständigung zweier Mentalitätssysteme war (und ist), hörte man aus Airbus-Kreisen stets durch lächelnde Zähne geblasene Luft.

Als im letzten Jahr der damalige Bundeskanzler Schröder in Toulouse den Jungfernflug des A380 mit den Worten kommentierte, das sei ein Beweis für die Faähigkeiten des "alten Europa", flog dieser kleine Seitenstich in Richtung USA. Dass es Herrn Rumsfeld weiter berührte, davon ist nicht auszugehen. Dass der Airbus-Konkurrent ruhig mit zusehen kann, wie sich Europas größer Luftfahrtkonzern in Luft auflöst, das hätte sich auch Gerhard Schröder vor gut einem Jahr nicht träumen lassen.
4.10.06 21:59


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