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DER UMZUG DER BAHN VON BERLIN NACH HAMBURG IST EIN POLITISCHER ROSENMONTAGSZUG
Soviel steht fest. Ein kaum zu überbietender Zynismus, aber in der Substanz nicht weniger als eine Hanswurstiade, so darf man diese umzugsberechtigte Heuschrecke mit Wohnberechtigungsschein namens Deutsche Bahn wohl nennen. Residiert sie nicht am Potsdamer Platz, inmitten einer sich verhebenden deutschen Hauptstadt? Hat sie dort nicht das zweithöchste, dafür aber vermutlich eines der teuersten Gebäude der Stadt gemietet? Wie führt sie anders, wenn sie in Hamburg noch mehr Geld für "Führung" aus dem Fenster wirft? Wird die Bahn effektiver, pünktlicher, zuverlässiger in allem? Wird sie freundlicher, ihre Werbeagentur billiger, da näher beim Marketingvorstand (Jung von Matt fußläufig, da spart der Steuerzahler eine Menge!), oder was rappelt hier eigentlich im geistesgestörten Karton?
Wowereit und von Beust: zwei gestandene Zugbegleiterinnen giften herum, für was, bitte? Für den lauwarmen Kaffee, zweifuffzich die Tasse? Hallo, du bist Deutschland! Wehre sich wer kann!
An Argumenten aus Hamburg: nur seichtes, noch schlimmer: emotionale Mystik: Die Bahn passe zu Hamburg, da sich die Stadt zum Verkehrsknotenpunkt des Welthandels entwickle. Hallo! Guten Morgen, Hamburg, diesen Größenwahn kennen wir Berliner. Die Hauptstadt war bis in Mittneunziger auch auf dem Weg, "Weltmetropole" zu werden, so stand das noch vor sechs, sieben Jahren in Dumpfbackenbroschüren des Senats. Leider ist Berlin auf dem Weg zur Weltmetropole im Gestrüpp der Realitäten hängen geblieben, Gott sei Dank, möchte man meinen, wenn auch die Metropolenschinder nun auf spanischen Inseln ihre Verbrecherpensionen kassieren: die Landowskys dieser Welt sind die wahren Weltbürger, nicht die Berliner.
Nochmal kurz zurück zur Bahn: wohin will sie denn nun? Nach Hamburg, vielleicht Peking oder Schanghai? Oder doch lieber Canberra, wo man die Güterzüge ins Outback mit dem Fernrohr so schön beobachten kann? Nein? Zu einsam diese Ecke? Dann vielleicht Bayreuth, wo der Wahnfried Methode hat?
Wie auch immer. Das Umhervagabundieren stand in Deutschland einmal unter Strafe; das gemeine Trebertum war nicht gern gesehen und im Falle der Bahn kommt außerdem noch ein ständiges Hausieren hinzu. Die Kunden werden zur Kasse gebeten, ohne dass auf der Nehmerseite nennenswerte Leistungsschübe nach oben zu verzeichnen wären. Die Politik der "Airline auf Schienen" geht voll zu Lasten der Nahverkehrsversorgung weiter Bevölkerunbgsteile. Und wissen Sie was, werte Leser? Der Bahn sind diese Bevölkerungskreise total wurscht, wurrrscht. Es ist uns aber nicht wurscht, ob sie den Luxusumzug nach Hamburg auch noch durch bringt. Warum Luxus? Luxus ist, nach allgemeiner Definition, wenn man Dinge erwirbt oder tut, die man zum Leben nicht wirklich benötigt. Und diesen Umzug braucht kein Mensch. Wirklich kein Mensch.
Wenn nun Herrn Mehdorn und seinen Kumpanen in der Vorstands- und Aufsichtsratsetage die Berliner Luft nicht mehr behagt, sollte sie der Bund, so lange er in diesem nepotischen Verein noch das Sagen hat, die ganze Chose an die frische Meerluft setzen. Eine ernüchternde Brise Meerluft könnte diesen Herren und Damen sicherlich nicht schaden. Dazu Möwenschreie und ein schöner Sonnenuntergang direkt am Hafen. Aber nicht an der Elbchaussee.
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