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Berlin Tagebuch

ZEIT FÜR DEN WEXEL!

Liebe Leser,

ich lasse diesen Blog als Archiv weiter bestehen und lade Sie herzlich ein, mir in mein neues Domizil zu folgen:


http://octavian.blog.de


Dort geht es schon seit eniger Zeit munter weiter.


Bis gleich!
3.12.06 23:07


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DER CDU-PARTEITAG IN 10 SEKUNDEN

"Wir machen Politik für alle".



"Partei auch der Schwachen"



"Menschen die Angst zu nehmen".



"Wir sind die Reformpartei in Deutschland"



"Flügel geben Auftrieb".



"als Physikerin"



"Wertzuwachs des Faktors Kapital"



"dass das mit den Sozialdemokraten in der Großen Koalition noch was wird"



"Parteitag der Gerechtigkeit"



"Sozial ist noch lange nicht sozialistisch."



"Verdammt noch mal"



"auch Unpopuläres sagen und durchdrücken".



"Lieber Jürgen Rüttgers, sag' mir, wie es zu bezahlen ist, dann können wir drüber reden."




(Verbale Kellerchampignons der Herren Merkel, Oettinger, Lammers, Rüttgers und von Beust, heute auf dem Dresdner Parteitag der Christlich Demokratischen Union Deutschlands)
28.11.06 01:17


DIE ZUKUNFT DES MARKETING

jaguar frontgrill


Die Konsumforschung wird bald bemerken, dass sich die Produkte der Industrie und Dienstleistungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr nach dem richten können, was die Menschen brauchen, sondern vielmehr danach, wer sie sind. Weniger die Produktbeschaffenheit steht im Vordergrund der Vermarktungsstrategien, sondern die Verfasstheit des Konsumenten.

"Ich brauche" wird abgelöst durch das "Ich bin". Das markiert eine ungeheure Weggabelung. Es bedeutet in der Konsequenz, dass es nur noch zwei Kategorien von Produkten geben wird: "Existenzgüter" und "Identitätsgüter". Erstere sind die Waren des täglichen Bedarfs sowie Güter mittlerer Lebensdauer; letztere sind die Luxusgüter, Produkte, über die sich der Mensch identifiziert - also Marken. Doch längst nicht alle Marken, die wir heute noch auf diesem Podest sehen, werden in die Identitätsgüterkategorie der Zukunft aufsteigen. Viele werden absteigen in die Existenzgüterklasse oder sogar sang- und klanglos verschwinden.

Existenzgüter werden in völlig durchglobalisierten Produktionstechniken hergestellt. Die sie herstellenden Unternehmen werden zu rotierenden Wanderzirkussen; schließlich ist es egal, wo der Elektrogrill für den schwedischen Markt zusammengeschraubt wird. Es ist es heute schon. Doch die Menge an Produkten, die auf diese Art und Weise produziert wird, dehnt sich enorm aus. Die Kategorie "Existenzgüter" tritt ihren Weg in die oberen Produktgruppen an: denkbar ist der völlige Weggang von Volkswagen nach ..., ja wohin? Aber nicht mehr in Deutschland. In fünzig Jahren sind wir schlauer - oder tot.

Interessant wird die Entwicklung im Bereich der Identitätsgüter. Er birgt viele Überraschungen. Hier werden auch die Produktinnovationen stattfinden, wo sonst? Pantoffeln mit Klingelton, wenn man die Socken vergessen hat, das ist keine Innovation. Nein, es kommen Produkte zum Zug, von denen wir heute träumen, oder eben noch nicht einmal das. Das "Ich" wandelt sich und ich bin überzeugt, dass sich mit diesem Wandel eine völlig neue Sicht auf "den Besitz" und "den Gebrauch" der Dinge ergeben wird. Das Ich wandelt sich, da sich der Mensch grundlegend wandelt, er wird ein anderer. Somit sehen seine Augen mehr als wir heute sehen können.

In diesem Zusammenhang wirken die Science Fiction Mätzchen von geklonten Menschen wie eine Stippvisite beim Puppendoktor. Oder auch die tolldreisten Geschichten von den "menschlichen Ersatzteillagern", die die Medzin bald in petto haben wird: mögen sie wahr werden oder nicht; es sind doch nur Ausflüge in die Puppenklinik. Nicht der Arm oder ein anderes Gliedmaß setzt den Maßstab für die Veränderungen, sondern das Ganze - nicht die transplantierten Augen der Puppe sind das Neue, sondern die ganze Puppe wird eine völlig andere sein.

Dann Luxus: er wird völlig neu begründet, da der neue Mensch auch neue Bedürfnisse artikulieren wird. Unsere heutige Luxuswelt riecht bereits nach Mottenkugeln. Im Grunde erleben wir heute unsere letzten Freigangsekunden bevor uns die Zukunft ins Museum bugsiert. Auf der Uhr der Geschichte macht der Zeiger einmal "klack!", und tausend Jahre sind vergangen. Oder mehr. Vor diesem Hintergrund allerdings sind Marketingtheorien der wahre Luxus.





(first published in July 2006)
28.11.06 01:16


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